Die Maus lädt den Tod ein

Grabeskirche St. Elisabeth Eicken nimmt am Maus-Türöffner-Tag für Kinder teil: Fröhlichkeit ist erlaubt

Türen auf (c) Grabeskirche St. Elisabeth
Datum:
Do. 21. Sep. 2017
Von:
Garnet Manecke
In der Literatur ist der Tod ein finsterer Geselle. Das prägt den Umgang mit ihm.
Türen auf (c) Grabeskirche St. Elisabeth

Über den Tod mag kaum einer reden, oft wird er aus dem Leben verdrängt. Aber er ist ein treuer Begleiter und kommt immer wieder in das Leben. Auch Kinder begegnen ihm, und sie haben viele Fragen. Die will Ulrike Gresse, Trauerseelsorgerin an der Grabeskirche St. Elisabeth in Mönchengladbach-Eicken, beantworten. Deshalb macht sie nun zum ersten Mal beim Maus-Türöffner-Tag des WDR am 3. Oktober mit. Der Kirchen-Zeitung hat Ulrike Gresse schon einige Fragen beantwortet.

Warum machen Sie bei der Aktion mit?

Die Idee, sich an der Aktion zu beteiligen hat sich Ulrike Gresse von der Bestattungs- Akademie in Kassel abgeschaut. „Das ist eine gute Gelegenheit, Bestattungs- und Trauerkultur lebendig zu halten", meint sie. Das sei auch ein Anliegen ihrer Arbeit an der Grabeskirche St. Elisabeth: „Tod und Trauer zur Sprache zu bringen". Mit verschiedenen Angeboten ermöglicht sie Besuchern, die Kirche mit der besonderen Widmung kennenzulernen und gibt ihnen einen Raum für ihre Fragen. „Meine Erfahrung ist, dass es Erwachsenen nicht leicht fällt, sich mit Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen", sagt Gresse. „Menschen mit dieser Hemmschwelle werden den Kindern und Enkelkindern vielleicht nie etwas über  Friedhöfe und Trauer erzählen, weil es ihnen schwer fällt und sie den Kindern das Schwere ersparen möchten."

Als zweiten Grund führt Gresse an, die Kinder in ihrem Wissensdurst ernst zu nehmen. „Ich selbst war Maus-Fan und nutze das bekannte und positive Image der Maus, um ein scheinbar schwieriges Tabuthema, Kinder und Tod, in die Öffentlichkeit zu  bringen", sagt sie. Der Maus-Türöffner-Tag bietet die Möglichkeit, Kindern zu zeigen, was beim Tod geschieht oder wie Beerdigungsrituale ablaufen – ganz unbelastet von einem  aktuellen Traueranlass. „Auch für Kinder gehört der Tod zur Lebenswirklichkeit, wenn jemand in der Familie oder im Bekanntenkreis stirbt", sagt Gresse.

Der Verkündigungsauftrag der Kirche ist ein weiterer Grund: die Wandlung des Lebens vom Tod zum neuen Leben, die Auferstehung, soll ebenfalls Thema im Gespräch mit den Kindern sein.

Welches Alter sollten die Kinder haben, die am Maus-Türöffner-Tag in die Grabeskirche kommen?

Die Einladung richtet sich vor allem an Grundschulkinder, also die Sechs- bis Zehnjährigen. Gerade in diesem Alter haben die Kinder schon verstanden, dass das Leben endlich ist und nicht immer nur schön. „Die Kinder haben da einen großen Wissensbedarf", sagt Gresse. Nicht die großen Gefühle beschäftigten sie, sondern ganz praktische Fragen: Wie kommt der Opa in die Urne? Was bedeutet der Weihrauch? Wie läuft eine Beerdigung ab? „Sie reduzieren sich an dem Tag auf das Wissen, ohne den Schmerz der Trauer zu fühlen."

Wie spricht man mit Kindern über den Tod?

„Da hilft mir meine Ausbildung als Erzieherin und Religionspädagogin", sagt Gresse. „Die Kinder sind neugierig. Aufgrund ihrer Entwicklung haben sie im Grundschulalter ein Todeskonzept, das den Tod in ihre Lebensrealität integriert. Sie haben Interesse an dem Thema, weil sich ihr Wissen um Todesumstände wie Alter, Krankheit, Unfall oder Gewalt nach
und nach erweitert. Sie verstehen auch schon die Endlichkeit des Lebens und die Tatsache, dass alle Menschen einmal sterben."

Mangelnde Information, bei denen zum Beispiel den Kindern der Tod als Schlaf erklärt wird, verunsichere sie eher und führe zu Missverständnissen. Deshalb rät Gresse dazu, eine sachgerechte Sprache zu wählen. „Ganz wichtig ist, nur das zu erklären, was die Kinder auch fragen", sagt sie. Es gehe nicht darum, einen Vortrag zu halten. Um ihre Antworten für die Kinder begreifbar zu machen, nutzt sie verschiedene Utensilien. Das weckt das Interesse und macht das Thema für Kinder begreifbar. Auch der Kirchenraum dient mit seinen Gegenständen wie Kerzen, Kreuz, Osterkerze und Weihrauch diesem Zweck. „Die Kinder sollen die Grabeskirche als lebendigen Ort erleben", hat sie sich vorgenommen. Deshalb ist
auch wichtig, dass die Fröhlichkeit an diesem Tag nicht zu kurz kommt. „Die ist ausdrücklich erlaubt", sagt Gresse.

Was erwartet die Kinder?

Der erste Programmpunkt ist eine kurze Rallye durch den Kirchenraum St. Elisabeth, um den Kindern Gelegenheit zu geben, sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Danach entdecken sie mit dem Zeigesarg, was alles zu einer Beerdigung in der Grabeskirche gehört. „Der Sarg ist übrigens auch eine Idee der Bestatter, die ich mir abgeschaut habe", sagt Gresse.

Bei der Gestaltung des bunten Sarges haben die Bestatter die Trauerseelsorgerin unterstützt und ihn zum Beispiel professionell mit Stoff ausgeschlagen. Urne, Blumenkranz, Grablicht, Weihwasser, Taschentücher und das Gebetbuch finden die Kinder darin. Die Stoffschildkröte ist kein Maskottchen, sondern eine sympathische Helferin, mit der Gresse die verschiedenen Verhaltensweisen und Gefühle von Trauernden mit den Kindern besprechen kann: manche verstecken sich, andere erzählen viel oder weinen. „Ein wichtiger Punkt ist auch die Fantasiereise von der Raupe, die zum Schmetterling wird", sagt Gresse. Mit diesem Bild erklärt sie, dass der Tod ein Übergang in ein neues Leben ist.

Dürfen Eltern oder Großeltern mitkommen?

Auf jeden Fall, das ist sogar erwünscht. „Auch Eltern haben Fragen", weiß Gresse. Zudem können die Erwachsenen anschließend mit ihren Kindern weiter über das Thema sprechen. 

Wie können sich die Kinder anmelden?

Per E-Mail direkt bei Ulrike Gresse unter u.gresse@gmx.de . Es werden zwei zweistündige Aktionen angeboten: von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Eltern/ Großeltern bekommen Fachinformationen zum Thema „Kind und Trauer".

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